Coaching Berlin Report

Vom managermagazin zur Realität

10.02.08 (Management)

Vom managermagazin zur Realität

Die verängstigte Leistungsbereitschaft

Als erstes gilt an dieser Stelle zu sagen, dass die folgenden Zeilen keine Werbung für die hier zitierte Zeitschrift darstellen, obwohl ich sie als eine der wenigen guten und redaktionell gelungenen Informationsquellen ansehe. Gleichwohl entspricht das Geschriebene meinem kleinen Blickwinkel und unterliegt somit unwillkürlich einer Betriebsblindheit.

Ich beziehe mich auf den Artikel „Die Herren baden gerne lau“ in der aktuellen Ausgabe des managermagazins (mm, 9/2006) mit dem Teaser „egofixiert und risikoscheu – wie sich die Wohlstandkinder der 60er vor der Verantwortung drücken und stattdessen lieber Selbstverwirklichung betreiben“.

Um es vornweg zu sagen, der Artikel spricht mir aus vollem Herzen, obwohl ich nicht der beschriebenen Generation angehöre. Darin liegt das Traurige.

Der Artikel spricht in einer Klarheit und Offenheit eine Situation in Deutschland an, die so mittlerweile auch häufig in der öffentlichen, politischen und wirtschaftlichen Debatte diskutiert wird. Der Artikel schafft es allerdings, bei mir nicht nur den gewohnten kognitiven A-ha-Effekt auszulösen, sondern auch den Knoten in meinem Bauch spürbar werden zu lassen.

Der Artikel beschreibt in einer grandiosen Art und Weise, dass wir mit unseren Führungskräfte in Deutschland nicht unter einer schwindenden Leistungsfähigkeit, sondern unter einer zunehmend absinkenden Leistungsbereitschaft leiden.

Und dieses muss auch meines Erachtens zunehmend thematisiert werden.

Ein grundlegend positives Fazit, das auch meinen Erfahrungen entspricht, ist, dass wir immer noch über das notwendige KnowHow verfügen. Das Erschreckende ist allerdings, dass sich die Leistungsbereitschaft und der Mut, sich auf Innovation und Risiken einzulassen, auch in der Folgegeneration der 60er Jahre nicht wieder finden lassen.

Ohne in Trübsal zu verfallen, sondern vielmehr etwas anzusprechen, dass nur selten Gehör findet, kann ich dem Artikel nur beipflichten: Wir haben den Biss verloren. Wir sind satt, ängstlich und in der Entwicklung defensiv.

Musste ich mich von vornherein daran gewöhnen, dass in alt backenden Kreisen die Uhren vorsichtiger ticken, sehe ich ebenfalls nur sehr wenige meiner Kollegen aus drei grundständigen Ausbildungen heute in risikofreudigen Positionen.

Wenn es aber nicht daran liegt, dass die potentiellen Führungskräfte über unzureichende Ausbildungen verfügen, sollte man vielleicht tatsächlich den Mut haben, den Blick auf die Bereitschaft zu richten. Einleuchtend sollte ja sein, dass eine Strategie, die wehement auf das postulierte fehlende Niveau abzielt, bei den „wissenden“ Herren in den Führungsetagen nicht viel erreichen kann. Sie haben das KnowHow und müssen sich somit nicht angesprochen fühlen.

Gleichwohl ist Leistungsbereitschaft keine individuelle Eigenschaft, und obwohl es doch so wunderbar einfach klingt, unsere Führungsclique mit den ausgeklügelsten Methoden zu motivieren, stecken wir meines Erachtens in einer viel tieferen Krise, als wenn wir nur unsere Ausbildungen verbessern und optimieren müssten.

Wenn wir Leistungsbereitschaft als Derivat individueller Fähigkeiten und fördernder und stimulierender Umweltvariablen verstehen, sind es vielleicht gar nicht die Führungskräfte, denen geholfen werden muss. Vielleicht wäre es an der Zeit, auf uns als Gesellschaft zu schauen und uns zu fragen, wer wir sind und ob sich die Mühen lohnen würden, sich der Bereitschaft für das Ungewisse hinzugeben.

Ich glaube, es lohnt, sich der Zukunft zu stellen. Doch möchte ich anmerken, dass es hier nicht um mich als den Einzelnen geht, sondern um uns. Und vielleicht liegt es genau daran, dass man auch im neuen Wirtschaftswunder China sagt, „wir schaffen es“ anstatt „du schaffst das“.

 

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