Coaching Berlin Report

Transaktionsanalyse im Coaching

26.01.10 (Coaching, Training & Co., Strategisches Personalmanagement)

Transaktionsanalyse

Aufgrund der unterschiedlichsten Fragestellungen im privaten Bereich oder im Zuge der Personalentwicklung umfasst Coaching eine Vielzahl von unterschiedlichen Methoden. Einer der traditionsreichsten Ansätze, der vor allem für die Kommunkationsanalyse und für die Auflösung interaktionistischer Problemstellungen von Bedeutung ist, ist die Transaktionsanlyse.

Die Transaktionsanalyse (kurz TA), die nicht nur ein psychoanalytisches Verfahren, sondern auch eine Theorie der menschlichen Persönlichkeitsstruktur darstellt, stammt in ihren Grundzügen vom kanadischen Psychiater Eric Berne (1910-1970).

Im Kern des Ansatzes steht ein Strukturmodell der menschlichen Psyche, wonach jeder Mensch aus drei verschiedenen ICH-Zuständen heraus aggieren und reagieren kann. Wie in jeder psychoanalytischen Theoriebildung werden diese Strukturtypen bereits in der frühesten Kindheit angelegt und im Laufe der weiteren Entwicklung ausgebildet.

Natürlich repräsentiert die Transaktionsanalyse auch eine bestimmtes Menschenbild, wonach:

  • jeder Mensch die Fähigkeit zum Denken hat,
  • jeder Mensch über sein eigenes Schicksal (mit-)entscheiden und diese Entscheidung auch ändern kann und
  • jeder Mensch von Grund auf gut und nicht ontogentisch schlecht ist.

Durch den Ansatz, die ICH-Zustände zu identifizieren,  ist es in der Transaktionsanalyse nun möglich, je nach Fragestellung spezifische (immaginierte oder realisierte) Gesprächsmuster zu analysen.

Berne unterscheide die 3 (psychischen) ICH-Zustände:

  1. Kind-ICH,
  2. Erwachsenen-ICH und
  3. Eltern-ICH.

Besonders wichtig ist es im Sinne der Transaktionsanalyse, dass jeder ICH-Zustand auch ein spezifisches Gesprächs-, d.h. Denk-, Erlebens- und Handlungsmuster prägt. Es hängt von der Dominanz des jeweiligen ICH-Zustandes ab, wie eine Person sich in einer Situation verhält. Hierin liegt der Reiz fürs Coaching (und alle anderen individual- oder sozialanalytischen Handlungsfelder), in dem auf die häufig gestellte Frage kreative Lösungsmöglichkeiten gefunden werden können, wieso etwas ist, wie es ist – obwohl man es eigentlich nicht möchte.

Das Kind-Ich ist durch Erfahrungen geprägt, die in der Kindheit gemacht wurden und diese Erfahrungen zeigen ihren Einfluss in allen Altersphasen hindurch – bis jeder Mensch einmal stirbt. Dieses nach Berne sogenannte „innere Kind“ kann als angepasst oder als frei charakterisiert werden. Das angepasste Kind-ICH hat gelernt, sich überanzupassen, zu erstarren oder auch trotzig-rebellisch zu reagieren. Das freie Kind-ICH konnte sich frei entfalten und handelt spontan und impulsiv.

Das Erwachsenen-ICH handelt eigenverantwortlich und selbstbestimmt. Es verhält sich sachlich und einfühlsam und ist in der Lage, Ereignisse und Situationen zu reflektieren. Das Erwachsenen-ICH sucht nach angemessenen Lösungen für Probleme.

Das Eltern-ICH lässt den Menschen so handeln und fühlen, wie es ihm die Eltern und andere Autoritäten vorgelebt haben. Oft wird dieser ICH-Zustand so erlebt, als ob es das eigene Erwachsenen-ICH wäre. Wie beim Kind-ICH gibt es auch beim Eltern-ICH zwei Ausdrucksformen: das kritische Eltern-ICH, das die Normen der Eltern auf destruktive und überkritische Weise vertritt, und das fürsorgliche Eltern-ICH.

Mit der Transaktionsanalyse werden im kommunikativen Verlauf von beobachteten Gesprächspartnern nun die unterschiedlichen ICH-Zustände identifiziert und geschaut, welche ICH-Zustände miteinander interaggieren. Die häufigsten Schwierigkeiten ergeben sich daraus, dass unterschiedliche ICH-Zustände unreflektiert und nicht lösungsbezogen miteinander interaggieren.

Zum Beispiel können auf beiden Seiten vielfache Konfusionen entstehen, wenn unter dem Deckmantel eines (erwachsenen) Lösungsgesprächs zwischen Führungskraft und Mitarbeiter in hitziger Debatte einer der Gesprächspartner (unbewusst) in seinen Kind-ICH-Zustand regrediert.

Mittels der Transaktionsanalyse können gerade für konfliktreiche Kommunikatonsmuster / -situationen kreative Ansätze gemeinsam mit den Kommunikationspartnern erarbeitet werden, diese leiderzeugenen Muster aufzulösen. Hierfür ist es von Vorteil, die Gesprächsverläufe mit der Videokamera aufzuzeichnen und im Nachgang sequenziell zu bearbeiten.

Im meinem Coaching gehe ich in der Anwendung der Transaktionsanalyse in folgenden 4 Schritten vor:

  1. Aufzeichnung einer kommunikativen Situation per Videokamera,
  2. gemeinsames Anschauen der Aufzeichnung ohne Kommentare,
  3. nochmaliges Anschauen der Aufzeichnung mittels freier Assoziation der Gesprächspartner, welcher ICH-Zustand und welche Rollenfunktion im Gespräch für sie identifizierbar ist (Dokumentation),
  4. nochmalige Wiederholung der Kommunikation mit bewusst gewähltem ICH-Zustand (und bei Bedarf nochmalige Aufzeichnung und Wiederholung Schritt 1 bis 4).

Transaktionsanalyse im Coaching

Auch im Einzelcoaching ist die Transaktionsanalyse anwendbar. Gerade durch systemische Gesprächstechniken (z.B. zirkuläres Fragen) können regredierende ICH-Zustände angetriggert werden, die im Nachgang per Videofeedback mit dem Coachee thematisiert werden können.

Um nochmals zu betonen, ist es mit Sicherheit nicht das Ziel der Transaktionsanalyse , in Gesprächsverläufen immer nur die identischen ICH-Zustände der Gesprächspartner zu aktivieren. Ziel ist es vielmehr, die Gesprächspartner in die Lage zu versetzen, bewusst, reflexiv und frei die ICH-Zustände zulassen zu können, die für die jeweiligen Bedürfnisse adäquat und befriedigend sind (z.B. Erwachsenen-ICH ~ Erwachsenen-ICH; Kind-ICH ~ Eltern-ICH).

Videofeedback im Coaching

Mit besten Grüßen
Stefan Missal

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