Coaching Berlin Report

das amerikanische Modell oder das Kompensationsprinzip

07.04.10 (Coaching, Training & Co., Management)

So wie auf einer Kongressveranstaltung, die ich vorletztes Wochenende in München zum Thema „Motivation in der Arbeitswelt“ besucht habe, hat man es schon viele Male gehört: „Wenn man etwas erreichen möchte, so muss man sich mit aller Kraft auf die eine Sache konzentrieren, das Ziel starr im Blick haben und einen langen Atem beweisen.“

Bezogen auf den beruflichen Erfolg, z.B. sich auf Dauer erfolgreich selbstständig zu machen, sehe ich hierin allerdings vor allem zwei Gefahren. Auf der einen Seite reicht vielleicht die eigene Kraft auf Dauer nicht aus, sich ohne Erfolgsmomente durchweg motivieren und so auch belastende Zeiten überstehen zu können. Auf der anderen Seiten besteht natürlich die Gefahr, dass man mit einer guten Idee durchaus viel erreichen könnte, jedoch die zur Verfügung stehenden Mittel auf halber Strecke erschöpft sind.

Der Ausspruch: „Wenn du es nur willst, dann wirst du es schaffen!“ ist meines Erachtens häufig zu pauschal. Natürlich muss man etwas wollen und bereit sein, sich engagiert und sicher auch häufig aufopfernd dafür einzusetzen, dennoch sollten auch die Rahmenbedingungen so überdacht und gestaltet sein, dass man sein Ziel auch realistischerweise erreichen kann.

Nichts ist schlimmer und desillusionierender, als wenn man das Gefühl hat, dass die eigenen Hoffnungen brachial enttäuscht werden und man gegen eine unbezwingbare Wand anläuft. Das Risiko, seine Vorhaben abzubrechen oder gar nicht erst (nochmal) zu versuchen, steigt mit der Frustration enorm an.

Erfolgsmanagement

In Coachings zu den Themen der Existenzgründung oder auch zum Selbstmanagement führe ich häufig das Kompensationsprinzip an, mit dem sich vor allem die Gefahren, die Risiken und die mit ihnen in Beziehung stehenden Belastungen auf allen Ebenen einer ausgeglichenen Work-Life-Balance (LINK) kompensieren lassen.

Im psychologischen Sinne zielt das Kompensationsprinzip darauf ab, durch kleinschrittige Erfolge sowohl das Selbstwerterleben als auch die positiven Gefühle der Selbstwirksamkeit aufrechtzuerhalten. Aber auch im finanziellen Sinne zielt das Kompensationsprinzip auf die Risikoverteilung.

Stellen Sie sich die Situation vor, wenn sich ein möglicher Erfolg in einem Projekt erst nach Jahren einstellen wird. Wie hoch ist wohl die Wahrscheindlichkeit, dass man ohne Zwischenhochs die anstrengende Zeit bis zum Erfolg aushalten wird. Oder stellen Sie sich vor, der sich auszahlende Erfolg einer Idee ist tatsächlich zu erwarten, jedoch wird er lange auf sich warten lassen – vielleicht zu lange, da die zur Verfügung stehenden Mittel bis dahin aufgebraucht sind.

Das Kompensationsprinzip bricht mit der Vorstellung, dass man sich alleinig auf nur ein Vorhaben bzw. einen Weg versteifen soll, wenn mit ihm (existenziell bedrohliche) Gefahren und Risiken verbunden sind. Man kann zwar viel wollen, jedoch muss man es aufgrund seiner Fähigkeiten und der äußeren Bedingungen auch können.

systematisches Selbstmanagement

Gerade Selbstständige, die aufgrund einer wirtschaftlichen Krise ins Coaching kommen, haben oftmals ein schlechtes Gewissen und Berührungsängste, sich für eine erfolgreiche Zukunft auch Alternativen zuzuwenden. Häufig sind es die Gefühle, die mit der Angst verbunden sind:

  • doch nicht alles gegeben zu haben,
  • als Versager wahrgenommen zu werden oder
  • so manch eine Person aus der Gegenwart oder Vergangenheit enttäuscht zu haben

die die Coachees hemmen. Gleichwohl sei betont, dass es allen immer gedanklich klar ist, dass es gar nicht schlimm, sondern an sich logisch ist, sich z.B. als Selbstständiger anderen oder weiteren Handlungsfeldern zuzuwenden, um den Traum der Selbstständigkeit weiterleben zu können.

Personal Coaching

Das Kompensationsprinzip ist jedoch nicht mit dem amerikanischen Modell zu verwechseln, bei dem durchaus bzw. mittlerweile im Regelfall mehrere Jobs bestritten werden müssen, um überhaubt in der Gesellschaft existieren zu können.

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Was sind die Eigenschaften, Fertig- und Fähigkeiten von Personen, die das Vorhaben einer Selbstständigkeit erfolgversprechend erscheinen lassen? Diese Frage ist sicherlich nicht pauschal zu beantworten. Mit Kollegen haben wir uns dennoch zusammengesetzt und unsere Erfahrungen zusammengetragen.

Bei wirtschaftlich tragfähigem Konzept und realistischer Marktlage waren für uns folgende Punkte von entscheidender Bedeutung:

  • Gründer und Selbstständige müssen sich ihrer Selbst, d.h. ihren Wünschen, Sehnsüchten und Ängsten bestmöglich bewusst sein,
  • Gründer und Selbstständige müssen leidensfähig konsequent sein,
  • Gründer und Selbstständige müssen idealisierend sein und die Fähigkeit zur Sublimierung haben und
  • Gründer und Selbstständige müssen kreativ und kompromissbereit sein.

  Mit besten Grüßen
Stefan Missal

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