Coaching Berlin Report

Public Health in der Kneifzange am Beispiel der Betrieblichen Gesundheitsförderung

10.02.08 (Gesundheitsmanagement & Gesundheitsförderung)

Public Health in der Kneifzange am Beispiel der Betrieblichen Gesundheitsförderung

Gesundheit vs. Betriebliche Gesundheit

These:

Ebenso wie die konzeptionellen Vorstellungen der individuellen Gesundheit wird auch die Betriebliche Gesundheit stark von individualisierenden und klassisch-linearen Modellleistungen der Bio-Medizin in der Praxis geprägt. Nach anfänglichem Aufschwung salutogener und systemischer Theorieleistungen in der Wissenschaft verfällt die Betriebliche Gesundheitsförderung in eine Praxisform des (post-)modernen, individuumszentrierten, auch psychologische Belastungen umfassenden Gesundheitsschutzes. Public Health Strategien und systemische Modellansätze jenseits des bio-medizinischen Modells scheitern am Wissenschaft-Politik-Praxis-Transfer.

Einer der Hauptgründe* liegt darin, dass die Public Health Bewegung in Deutschland vornehmlich um ihr eigenes politisches Überleben kämpfen muss, bevor sie sich an den Paradigmenwechsel wagen kann.

* Ein zweiter Grund liegt sich darin, dass der systemische bzw. synergetische Theorieansatz zur Erforschung der Selbstorganisation komplexer, nicht-linearer Systeme in Deutschland weit hinter dem internationalen Vergleich hängt.

Prävention und Gesundheitsförderung

These:

Bei der Prävention und Gesundheitsförderung handelt es sich um zwei gänzlich unterschiedliche, doch gleichberechtigte theoriegeleitete Ansätze im übergeordneten Thema ‚Gesundheit‘.

Hierin liegt eine Schwierigkeit, die letztendlich auch zum Scheitern eines konsequenten salutogenen Ansatzes im Gesundheitsbereich führen wird. Die Public Health Wissenschaften versteifen sich zunehmend auf die präventiven Aspekte und zeigen immer noch zu wenig Engagement in der Erforschung eines neuen, bisher unbekannten Zuganges zum Thema ‚Gesundheitsförderung‘.

Einer der Hauptgründe liegt im immer noch unzureichenden Selbstverständnis.

Primäre Prävention nach Rolf Rosenbrock

These:

Ohne die Etablierung der Primären Prävention nach Rolf Rosenbrock wäre sicher die Modelleistung der Gesundheitsförderung von vornherein unter den politischen Tisch der Entscheidungen gefallen. Gleichwohl ist es das Ende einer konsequent auf das neue Paradigma der Gesundheitsförderung gerichteten wissenschafts-politischen Entwicklung.

Der Fokus auf das Defizit hat gewonnen, obwohl auch die klassischen Präventionsprojekte der vom Gesetzgeber geforderten Evidenz nicht gerecht werden können*.

*Ausgenommen man beschränkt sich auf die Evidenzstufe 5, d.h. so genannter Expertenmeinungen.

Verhaltensänderung vs. Organisationsentwicklung

These:

Beide Strategien der Betrieblichen Gesundheitsförderung haben ihre uneingeschränkte Berechtigung. Gleichwohl ist die Organisationsentwicklung eine Veränderungsstrategie höherer Ordnung. Als verhältnispräventive Maßnahme zeigt sie ungleich höhere Wirkungen, sollte jedoch noch stärker als die Verhaltenspräventionen auf einer nachweisgeführten Basis geplant, gesteuert und umgesetzt werden.

Durch das Fehlen ausreichender Forschung und durch das Nichtvorhandensein der vom Gesetzgeber geforderten Evidenzbasierung ist die Betriebliche Gesundheitsförderung als Organisationsentwicklung nur eine vage Annahme zur Förderung einer undefinierten Zielgröße ‚Betriebliche Gesundheit‘.

Die Akteure

These:

Wenn man nicht genau weiß, was wirkt, sollten zur Erhöhung der Möglichkeiten immer alle Beteiligten (Multiplikatoren) im Prozess des Betrieblichen Gesundheitsmanagements partizipativ involviert sein.

Ob die von der WHO definierten Zielgrößen Partizipation, Empowerment, Chancengleichheit, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit notwendige Parameter erfolgreicher Betrieblicher Gesundheitsförderung sind, ist aufgrund der mangelnden Forschungslage nicht klar valide zu bestätigen. Aus logischer Argumentation sind es sicher wichtige Erfolgskriterien.

Der Ausblick

These:

Die Betriebliche Gesundheitsförderung wird immer als Prototyp der Gesundheitsförderung angeführt. Da zur Zeit laut Schätzung nur 5 bis 6 Prozent der Betriebe überhaupt solche Maßnahmen in Deutschland durchführen, es jedoch auch bei diesen keinerlei valider Vergleichbarkeit in ihrer Wirkung gibt, sehe ich die Zukunft der Betrieblichen Gesundheitsförderung als schlichtweg offen an.

Meine Hoffnung ist es, dass der Public Health Bereich in Deutschland seine eigene Professionalisierung so schnell wie möglich erreichen kann. Dies ist die Voraussetzung für die erfolgreiche gesundheitsfördernde Gestaltung in der Zukunft.

Meine These allerdings ist es, dass es der Public Health Bereich mit der sich immer stärker medizinisch ausprägenden Lobby nicht schaffen wird, seine Identität jenseits eines linearen, bio-medizinischen Verständnisses aufrechtzuerhalten. Ohne weitere starke Akteure in politischen Gremien neben Rolf Rosenbrock und ohne eigene wissenschaftliche Reputation in der Gesundheitsförderung stelle ich den Pardigmenwechsel in Frage.

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